Nassau City-Blog


17.03.2018 | GENERATIONENWECHSEL

Heißestes Eisen der Branche: Betriebsübergabe

Familienbetrieb

Die Begründer und Erbauer des modernen Tourismus im gesamten deutschsprachigen Raum treten ab und lassen Platz für die Nachfolger.
Die Generation, die mit viel Ehrgeiz und persönlichem Einsatz das geschaffen hat, was manchmal gar nicht mehr geschätzt wird verdient unseren höchsten Respekt.
In vielen Gesprächen bei Übergabe-Coachings durfte ich ihre Gedanken zu ihren Lebenswerken kennenlernen. Unglaubliche Geschichten, schöne Geschichten, aber auch bittere Storys. Ich habe dabei selbst erkannt, warum gerade in Familienbetrieben das Loslassen manchem so schwer fällt.
In keiner anderen Branche wird das Privatleben so stark mit dem Betrieb verknüpft wie in Hotellerie und Gastronomie. Ein Gastgeber steht immer auf der Bühne. Daher ist die Einführung der Nachfolger behutsam und vorausschauend zu gestalten. Je enger die Bindung der Familie an die Gäste ist, umso schwieriger gestaltet sich auch der Generationswechsel.
Für mich selbst habe ich daher die "Vision" definiert, mit meiner Arbeit einen wertschätzenden Generationswechsel zu unterstützen.

Was ist los in der Branche?
In den nächsten Jahren werden im Tourismus allein in Deutschland über 75.000 Familienbetriebe in neue Hände gegeben. Die Schweiz, Südtirol und Österreich zusammengerechnet ergibt noch einmal etwas über 30.000 Betriebe.
Fünfzig Prozent aller Familienunternehmen quer durch alle Branchen scheitern beim Thema Nachfolge! Ein unvorstellbare Zahl?

Ein paar zusätzliche Zahlen: fast neunzig Prozent aller Unternehmer haben Kinder. Nur etwa die Hälfte davon übergibt ihren Betrieb an diese. Bei Kleinstbetrieben ist es gar nur ein Viertel, das heute noch von den eigenen Kindern weitergeführt werden. Je kleiner ein Betrieb ist, umso unattraktiver stellt er sich häufig für die Nachfolger dar. Selbständig bedeutet hier meist selbst und ständig. Mit ein wenig vergleichen, erkennen die Kinder rasch, dass jede nicht selbständige Tätigkeit oft mit einem höheren und vor allem sicheren Lebensstandard verbunden ist. Hat der Betrieb Möglichkeiten der Expansion oder eine interessante Weiterentwicklungschance findet sich eher ein Nachfolger.

Viele Unternehmer sehen beim Thema Übergabe vorrangig die steuerlich-rechtliche Seite. Wenn diese geklärt ist, meinen sie, mit ihren Hausaufgaben fertig zu sein. Je komplexer die Betriebsstrukturen und je mehr Beteiligte für die Erbfolge vorhanden sind, umso komplizierter gestaltet sich alleine dieser Teil der Übergabe. Da ist es fast verständlich, dass die menschliche Seite außen vor bleibt. Betriebe gehen aber wesentlich häufiger an Konflikten im Nachfolgeprozess denn an wirklich wirtschaftlichen Ereignissen zugrunde.

Höchste Motivation: Das Lebenswerk sichern
Jeder Unternehmer möchte am Ende seiner aktiven Zeit ein „Lebenswerk“ geschaffen haben, das ihn überdauert. Das kann aber nur funktionieren, wenn dieses etwas darstellt, das in den Augen eines Nachfolgers auch erstrebenswert ist.
Welcher Senior stellt sich selbst die Frage:
Wenn ich jetzt derjenige wäre, der übernimmt, würde ich das unter den vorhandenen Umständen auch tatsächlich mit ganzem Herzen tun?
Hätte ich wirklich Freude damit?
Wenn ich auch noch eine andere Wahl hätte, was wäre meine Entscheidung?
Übergeber müssen sich manchmal erst an den Gedanken gewöhnen, dass ihr Lebenswerk vielleicht für die nächste Generation gar kein Traum, sondern im schlimmsten Fall sogar ein Albtraum ist.
Dass fast die Hälfte aller Familienbetriebe am Nachfolgeproblem scheitern, erscheint auf den ersten Blick unglaublich. Wenn man aber die Fälle genauer hinterfragt, kennt doch jeder von uns Familien, in denen entweder kein eigener Nachfolger da ist, die Nachfolger schlicht und einfach als Unternehmer nicht geeignet sind oder wo ein Erbenstreit tobt, der den ganzen Betrieb zu ruinieren droht. Wenn man sich klarmacht, dass ungefähr siebzig Prozent aller Arbeitsplätze an Familienunternehmen hängen gibt es wohl niemand, den die Probleme eines Generationswechsels in den nächsten Jahren nicht berühren!

Sachthemen sind wesentlich leichter zu lösen als die menschlichen „Miss-Zwischen-Töne“. Steuerliche und rechtliche Aspekte sind per Gesetz festgelegt. Es gibt reichlich Literatur darüber. Jeder gute Steuerberater oder Jurist hat sich inzwischen mit dem Thema auseinander gesetzt. Aber was nützt es wirklich, alle Steuerspartricks oder Erbgesetze zu kennen und den Menschen darüber zu vernachlässigen?
In kaum einem Familienbetrieb geht der Wechsel ohne Konflikte ab. Die etwas anderes behaupten, lügen sich vorsorglich einfach in die Tasche. Denn wie ist es sonst erklärbar, dass bei anstehenden Veränderungen oft so wenig Verständnis füreinander aufgebracht wird?
„Das Fass ist voll“ – dieser Ausruf eines Nachfolgers hat seine Eltern derart überrascht, dass erst einmal alle Gespräche auf Eis gelegt wurden. Denn die waren wirklich der Meinung, ihre Welt sei in Ordnung. Dass sie sich ihre heile Welt nur durch Ignoranz der vorhandenen Spannung geschaffen haben, war ihnen überhaupt nicht bewusst.
Die jetzige Übergebergeneration hat noch nicht gelernt, dass es gut und notwendig ist, Konflikte zu thematisieren. Dass das Miteinander Reden wichtig ist. Dass sich nur durch Aufdecken statt Zudecken Situationen entspannen können. Und vor allem, dass „faires Streiten“ oder Diskutieren ein wichtiger Teil gegenseitiger Wertschätzung und Zuneigung ist.


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